Crew-Mitglied springt unter eigenartigen Umständen von Bord der AIDAbella

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Crew-Mitglied springt unter eigenartigen Umständen von Bord der AIDAbella

Eigenartige Geschichte, welche die Kreuzfahrt-Nachrichtenseite Cruise Law da heute aufgegriffen hat und über die tatsächlich zunächst die Bild (ausgerechnet!) berichtete und die auch vom Online-Auftritt der Offenbach-Post weitergetragen wurde. Es is eine dieser Meldungen, die definitiv nicht zu den Hochglanzbroschüren der Reedereien passt. Es geht um den rätselhaften Tod von Mathias T., acht Jahre lang für die Kussmundflotte tätig, der am 22. Februar um 4:36 Uhr von Bord der AIDAbella gesprungen ist und dessen Leiche bis heute nicht gefunden wurde. Rund sieben Monate nach diesen Ereignissen soll der Mann jetzt für tot erklärt werden. Kurios an der Geschichte: Seine Frau Gabi T. hatte 27 Stunden zuvor letzten Kontakt via SMS mit ihrem Mann. 27 Stunden, in denen Mathias T. scheinbar nicht (mehr) seinen üblichen Verhaltensmustern an Bord folgte. Zwei Wochen nach dem tragischen Ereignis erhält die Witwe die persönlichen Gegenstände ihres Mannes von der Reederei zurück. An vielen Gegenständen, inklusive Laptop und Tablet, sollen sich Blutflecken befunden haben. Wie im Bericht der Bild-Zeitung zu lesen ist, äußert sich Gabi T. so, dass „die“ (gemeint wird wohl die Reederei AIDA Cruises sein) behaupten, Mathias T. habe sich die Pulsadern aufgeschlitzt und sei dann über Bord gesprungen. Gabi T. hat allerdings Zweifel an der Geschichte. Und tatsächlich ist man geneigt, ihr zuzustimmen – von Deck 3 auf Deck 5, wie es berichtet wird, um dort über Bord in die Gewässer Malaysias zu springen – und wirklich niemand will irgendwas bemerkt haben? Dass Gabi T., die auf eigene Faust Nachforschungen angestellt hat, behauptet, von AIDA keinerlei Unterstützung bekommen zu haben, ja schlimmer noch, dass die Herausgabe von Informationen blockiert worden sei, gibt der Angelegenheit eine zusätzliche besondere Brisanz.

Witwe stellt auf eigene Faust Nachforschungen an

Es wird berichtet, Gabi T. hätte in ihren Nachforschungen von Streitigkeiten an Bord kurz vor dem Unglück erfahren. Zudem wird aber auch berichtet, Mathias T. hätte gerne mal einen über den Durst getrunken, die ganze Sache grundsätzlich aber im Griff gehabt und den letzten Seetauglichkeitstest, durchgeführt eine Woche vor seinem letzten Dienstantritt, problemlos bestanden. Davon muss man eigentlich auch ausgehen. Wer zum Personal gehört und sich an Bord über den Durst betrinkt, kann schließlich umgehend seine Sachen packen und wieder absteigen. Da machen die Reederein oftmals einen ganz kurzen Prozess. Nicht zuletzt wird berichtet, der Verstorbene habe mit psychischen Problemen zu tun gehabt, nachdem er sich bei einer seiner Reisen einen Virus eingefangen hatte und deshalb monatelang nicht arbeiten konnte. Eine Selbstmordgefährdung hätte aber laut dem Gutachten einer Ärztin nicht bestanden. Und ein Abschiedsbrief wurde den vorliegenden Informationen nach auch nicht gefunden. War es Streit, Alkohol, ein psychisches Problem oder eine Mischung aus alledem? Oder doch was anderes?

Es bleibt dabei: Eine eigenartige Geschichte, bei der alles mehr Fragen aufwirft, als beantwortet werden. AIDA Cruises schreibt in einer Stellungnahme an die Bild, sie hätten alles getan, um den Fall rasch aufzuklären. Klar, was sollen die Rostocker dazu auch sonst schreiben. Gabi T. hingegen behauptet, im Prinzip gegen Wände gelaufen zu sein. Was mir bei dieser Geschichte nicht in den Kopf will: Was ist eigentlich in den 27 Stunden passiert, die zwischen der letzten Nachricht von Mathias T. und seinem Über-Bord-Fallen liegen? Wenn er sich tatsächlich selbst verletzt hat und blutend zwei Decks durchquerte, um über Bord zu springen – warum hat niemand irgendetwas davon mitbekommen? Auf die beiden betreffenden Decks verteilen sich unter anderem das Hospital, die Rezeption, die Internetstation oder die Pier 3 Bar. Alles nicht die Orte, die um kurz vor fünf Uhr morgens übermäßig von Menschen überlaufen sein dürften, dennoch – irgendwer muss zwangsläufig unterwegs gewesen sein. Ein Schiff schläft nie. Und was ist mit den restlichen Aufnahmen der Kamera, die das Unglück dokumentiert hat und die angeblich weiterhin unter Verschluss gehalten werden? Warum hat sich niemand sonst dazu geäußert? Andere Besatzungsmitglieder, Gäste, irgendwer? Ich bleibe dabei – irgendwie passt das alles nicht zusammen. Und dass es nun ausgerechnet die Bild war, welche die Geschichte aufgedeckt haben soll, stimmt mich zusätzlich nachdenklich. Wer weiß, vielleicht klärt es sich ja eines Tages noch auf, was wirklich am 21. und 22. Februar dieses Jahres an Bord der AIDAbella vor Malaysia passierte. Falls jemand von Euch weitere Informationen diesbezüglich hat oder Quellen kennt, die über die genannten hinausgehen, lasst es mich gerne wissen.


Dieser Artikel erschien zuerst in der AVALOST Times.

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Roman Jasiek
Roman Jasiek
... hätte selbst nie geglaubt, wie sehr man von der Sehnsucht nach Meer gepackt werden kann - bis er vor Jahren mal eine Kreuzfahrt gewonnen hat. Seitdem ist er vom Meerweh infiziert, findet aber nicht alles unreflektiert ganz großartig, was Reisende von den Unternehmen vorgesetzt bekommen und sieht im Hinblick auf u.a. ökologische und steuerliche Aspekte sowie hinsichtlich der Arbeitsbedingungen an Bord noch reichlich Verbesserungspotential in der Branche. Wenn er nicht für den Kreuzfahrt Report schreibt, dann findet man ihn entweder als Autor bei AVALOST - oder auf einem Sonnendeck.

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