Den CO₂-Fußabdruck einer Kreuzfahrt kompensieren – das sagen und tun die Reedereien (nicht)

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Den CO₂-Fußabdruck einer Kreuzfahrt kompensieren – das sagen und tun die Reedereien (nicht)

Kürzlich philosophierte ich an dieser Stelle darüber, dass man einen Klimaausgleich in Form eines Geldbetrags als Aufschlag in den Reisepreis inkludieren könnte. Quasi so wie Trinkgelder und Service-Entgelte, um den ökologischen Fußabdruck einer Kreuzfahrt wenigstens ein bisschen auszugleichen. Weil mich interessiert, wie die Reedereien darüber denken – schließlich wäre das eine ziemlich einfach umzusetzende Möglichkeit, die eigenen Öko-Bemühungen zu verbessern bzw. ihnen Nachdruck zu verleihen – habe ich diverse auf dem deutschen Markt aktive Kreuzfahrtunternehmen angeschrieben und sie um eine entsprechende Auskunft gebeten. Es waren dies: AIDA Cruises, Costa Kreuzfahrten, Celebrity Cruises, Cunard Line, Hapag-Lloyd Kreuzfahhrten, MSC, Norwegian Cruise Line, Royal Caribbean International und TUI Cruises. Die Ausbeute in Sachen Rückmeldungen war, um es vorsichtig zu formulieren, ernüchternd. Die Fragen, auf die ich gerne eine Antwort erhalten hätte, waren die folgenden:

1. Ist es Ihren Gästen bei einer Reisebuchung über Ihre Kanäle (Webseite, Katalog, Telefon, App, …) möglich, den entsprechenden CO₂-Fußabdruck gänzlich oder in Teilen durch die Unterstützung von Klimaschutzprojekten zu kompensieren?



2. Falls ja: Können Sie eine Auskunft darüber geben, wie hoch der prozentuale Anteil ihrer Gäste ist, die diese Möglichkeit bereits in Anspruch nehmen und zu wieviel Prozent ihr Unternehmen diesen Beitrag an die entsprechenden Organisationen abführt? Und: wie und wo wird diese Option Ihren Gästen angeboten?

3. Falls nein: Warum nicht? Gab bzw. gibt es in Ihrem Unternehmen Überlegungen in diese Richtung?



4. Könnte es für Ihr Unternehmen eine Option sein, den verursachten CO₂-Ausstoß als eine Art „Pflichtgebühr“ in den Reisepreis zu inkludieren bzw. als Empfehlung Ihren Gästen nahezulegen, ähnlich wie es bei Trinkgeldern und Serviceentgelten der Fall ist?

Von Royal Caribbean, zu denen auch Azamara Club Cruises und Celebrity Cruises gehören, erhielt ich nur die Auskunft, dass man zu diesem Thema keine Auskunft erteilen könne.

Hapag-Lloyd Cruises hingegen ließ folgendes wissen: „In Zusammenarbeit mit der Klimaschutzorganisation atmosfair bieten wir seit 2011 als erster Kreuzfahrtanbieter die Kompensation von CO2-Ausstoß für die Seepassage an. Detaillierte Infos dazu, sowie auch einen CO2-Fußabdruck Rechner, finden Sie auf unserer Homepage unter www.hl-cruises.de/unternehmen/umweltmanagement/klimarechner. Da der Betrag je nach Reisedauer und gebuchter Kategorie variiert, können bei diesem Rechner die individuellen Reisedaten angegeben werden um einen möglichst genauen Wert zu erzielen. Ein Viertel der Kompensationssumme wird von Hapag-Lloyd Cruises übernommen. Mit diesem Beitrag werden Klimaschutzprojekte unterstützt“. Das geht doch in die richtige Richtung; zudem ist es meines Erachtens ein feiner Zug von der Reederei, ein Viertel der Kompensationssumme zu übernehmen. Leider ließ sich nicht in Erfahrung bringen, wie sehr das von den Gästen in Anspruch genommen wird.

Auskunft erteilte auch TUI Cruises, die zu dem Thema erklärten: „Nein, das ist aktuell nicht möglich. Wir konzentrieren uns bei unserem Engagement zum Umweltschutz auf Maßnahmen mit direkter Wirkung im Bereich des eigenen Unternehmens, zum Beispiel durch Abgasnachbehandlung, Abfall-Recycling, Abwassermanagement, optimierte Routenplanung und anderes mehr. Eine CO2-Kompensation hat keinen direkten Einfluss auf die Umweltfreundlichkeit von Kreuzfahrten der Mein Schiff Flotte. Insofern ist die CO2-Kompensation aus Sicht von TUI Cruises eine zusätzliche Möglichkeit, sich als Unternehmen zu engagieren. Aber wir möchten die Entscheidung über eine Wahrnehmung dieser Option unseren Gästen überlassen, die sich sicher sein können, dass in dem Premium Alles Inklusive Angebot von TUI Cruises auch ein Maximum an Umweltengagement enthalten ist.

Wir haben aber in Eigeninitiative und als wichtigen Teil des Engagements zum Umweltschutz eine Kooperation mit myclimate abgeschlossen. Hierbei werden alle CO2-Emissionen bei Flugdienstreisen von TUI Cruises Mitarbeitern kompensiert“.

Von allen anderen: nichts. AIDA Cruises arbeitet aber seit geraumer Zeit mit dem im Ursprungsartikel erwähnten Klimaschutzprojekt atmosfair zusammen und bietet seinen Gästen tatsächlich die Möglichkeit, den entstandenen CO₂-Ausstoß finanziell zu kompensieren. Die Rostocker Reederei schreibt darüber auf der eigenen Webseite: „Gemeinsam mit der Klimaschutzorganisation atmosfair bieten wir Ihnen die Möglichkeit, den CO2-Ausstoß während Ihrer Kreuzfahrt und Ihrer Flüge aus Deutschland, Österreich und der Schweiz durch die finanzielle Unterstützung von Klimaschutzprojekten zu kompensieren. Die Höhe Ihres Beitrags können Sie selbst bestimmen, indem Sie eines der Klimapakete auf MyAIDA unter „Reise planen“ –> „Service rund um Ihre Reise“ auswählen.

atmosfair investiert Ihren Beitrag in weltweite Projekte zur klimaschonenden Energieerzeugung, bspw. Solar-, Biomasse-, Wasserkraft- und Energiesparanlagen. So lassen sich die CO2-Emissionen einsparen, die andernfalls entstanden wären. Die Menschen in den unterstützten Regionen erhalten so häufig zum ersten Mal Zugang zu sauberer und ständig verfügbarer Energie“.

Das bedeutet freilich nicht, dass die anderen Reedereien nichts für Umwelt- und Klimaschutz tun. Der richtigste Satz in diesem Zusammenhang kam von TUI Cruises aus Hamburg: „Insofern ist die CO2-Kompensation aus Sicht von TUI Cruises eine zusätzliche Möglichkeit, sich als Unternehmen zu engagieren“. Schade ist es schon, dass diese Möglichkeit nicht viel mehr und offensiver genutzt wird. Wenn schon nicht als Pflichtabgabe, die schlicht zum Reisepreis gehört, sollte zumindest auf die Möglichkeit freiwilliger Kompensationszahlungen deutlicher hingewiesen werden. Die Branche investiert so unfassbar viel Geld in alle möglichen Umweltschutzmaßnahmen, nicht zuletzt um den Ruf der Dreckschleuderei loszuwerden; eine der einfachsten Möglichkeiten wird aber scheinbar so stiefmütterlich behandelt. Aber wer weiß, vielleicht findet das ja auch noch seinen Weg in den Katalog der Maßnahmen, Kreuzfahrten grüner zu machen. Wünschenswert wäre es jedenfalls.


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Dieser Artikel erschien zuerst in der AVALOST Times.

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Roman Jasiek
Roman Jasiek
... hätte selbst nie geglaubt, wie sehr man von der Sehnsucht nach Meer gepackt werden kann - bis er mal eine Kreuzfahrt gewonnen hat. Seitdem ist er vom Meerweh infiziert, sieht aber im Hinblick auf u.a. ökologische Aspekte noch reichlich Verbesserungspotential in der Branche. Und wenn er nicht für den Kreuzfahrt Report schreibt, dann findet man ihn entweder als Autor in der AVALOST Times - oder auf einem Sonnendeck.

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